Die heilige Stadt Machu Picchu

Unsere Eintrittskarten. Wir liefen durch den Eingang und gleich nach links oben. Hier liefen weniger Touristen. Die Sonne brannte schon ziemlich stark. Stufe um Stufe liefen wir immer höher, noch konnten wir den lang ersehnten Ausblick nicht sehen. So liefen wir um einiges schneller, wie unsere Mitbestreiter. Bis wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt ankamen. Diesen Augenblick werden wir unser Lebtag nicht vergessen. Einmalig offenbarte sich uns nicht nur ein traumhaftes Naturschauspiel sondern auch ein unvergleichlich mystischer Ort. Die Sonne schien direkt auf die heilige Stadt, die in Harmonie und Ruhe aber voller Macht vor unseren Füßen lag. Unbeschreibliche Gefühle schossen durch unsere Körper, so dass jeder erst einmal mit sich selbst zu tun hatte. Ich hatte Mühe meine Tränen des Glücks und der Überwältigung zurück zu halten. Ich hätte nie gedacht, dass ein Ort eine so emotionale Wirkung hervorrufen kann. Mein Gehirn konnte keine klaren Gedanken fassen und versuchte die Situation zu begreifen. Wir verbrachten sehr viel Zeit dort oben und ließen diese einmalige Aussicht auf uns wirken. Auch wenn ich ein sehr realitätsnaher Mensch bin, so musste ich hier eingestehen, dass hier unheimlich starke Energien auf uns wirkten. Anders konnte ich mir dieses Gefühlschaos nicht erklären. Matthias ging es ähnlich wie mir, so dass wir auch noch lange hinterher über die Situation nachdachten.

Eigentlich hatten wir vorgehabt, den zuckerhutähnlichen Berg Waynapicchu hinter Machu Picchu hoch zu wandern. Von unserem Aussichtspunkt aus sahen wir jedoch, das sehr viele auf diese Idee gekommen sind. Wie eine Perlenschnur zogen sich die Touristen bis zum Gipfel. Darauf hatten wir keine Lust. Wir beschlossen in die andere Richtung auf dem Inka-Trail, dem königlichen Weg Richtung Sonnentor zu laufen nach Intipunku. Wir hatten ein paar Stunden Zeit und genossen die Aussicht, wo wir nur konnten. Es war warm und schnell hatten wir unsere Klamotten ausgezogen und holten uns einen schönen Sonnenbrand. Auf den schweißgebadeten Hautstellen, die an der Luft waren setzten sich kleine Fliegen nieder, die böse Stiche hinterließen und mich noch mehr als eine Woche mit furchtbaren Jucken ärgern sollten. War ich froh, dass ich eine Jeans auf dem Hintern hatte. Wir liefen straff bergauf. Machu Picchu wurde immer kleiner, verlor aber nicht an Reiz. Auf den Steinen des Inka-Trails versuchten Tausende von weiß behaarten Raupen den Weg zu überqueren. Viele waren schon zertrampelt worden. So bemühte ich mich um die vielen Raupen herum zu laufen. Der Weg war gesäumt von Lilien und anderen wunderschönen tropischen Pflanzen. Wir kamen an einer wichtigen Kontrollstation von Machu Picchu vorbei. Von hier aus wurde jeder, der nach Machu Picchu wollte, kontrolliert. Die Apacheta ist ein 16 x 8 m großes, rechtwinkliges Steingebäude mit trapezförmigen Nischen. Der Weg führte mitten durch das Gebäude. Somit konnte der Durchgang zur Stadt jederzeit versperrt werden. Wenig später erreichten wir auch das rätselhafte Sonnentor. Von hier aus, hatten wir einen schönen Ausblick auf Machu Picchu und die unglaubliche Bergwelt. Auf der anderen Seite konnten wir ins nächste Tal blicken. Von hier kommen die Inka-Trail Wanderer. Zu gerne wäre Matthias diesen Trail gelaufen. Ein wenig wehmütig sah er in die Berge und meinte: „Es muss doch noch ein wesentlich intensiveres Erlebnis sein, wenn man nach drei Tagen Schinderei hier oben ankommt und auf die Heilige Stadt zuläuft.“ Er schüttelte fassungslos den Kopf und setzte sich um die atemberaubende Sicht genießen zu können. Er sah mehr als zufrieden aus, fast wie in Trance. Wir aßen Riegel aus gepopten Getreide und Obst. Wir verweilten eine Weile ehe wir wieder entspannt zurück liefen. In der heiligen Stadt selber liefen wir durch die gut erhaltenen Ruinen. Ich war überwältigt von der Größe der Wohnhäuser und den verschiedenen Anlagen. So langsam mussten wir uns nun von Machu Picchu verabschieden.

Unseren Zug nach Cusco durften wir nicht verpassen. So stellten wir uns in die riesige Schlange um mit dem Busshuttle wieder ins Tal zu fahren. Irgendwie selig traten wir unsere Rückreise an. Wir kauften noch kurz eine Pizza, die wir im Zug verspeisten. Wir waren mächtig geschafft und müde. Draußen wurde es bereits dunkel. Es stieg eine Gruppe Niederländer zu, die mehrere Tage auf dem Inka-Trail unterwegs gewesen war. Sie feierten sich und gossen sich ein Bier nach dem nächsten hinter die Kehle. Allesamt sahen sie aber sehr erschöpft und zerstochen aus. Mit Sicherheit hatte die Gruppe eine unvergessliche Tour hinter sich. Irgendwie beneideten wir sie, weil wir diese Erfahrung aufgrund unserer wenigen Zeit, die wir in Peru hatten, nicht machen konnten. So rüttelte uns die Rail Peru in 4 Stunden zurück nach Cusco.