Fahrt auf dem Titicacsee

Um sieben Uhr sollte uns ein Fahrer vom Hotel abholen. Es regnete immer noch wie aus Kübeln. Da unsere Regenjacken leider in Lima hingen, hatten wir ein kleines Problem. Wir zogen uns so warm an wie möglich. Mit je zwei T-Shirts und den zwei Pullovern machten wir uns auf den Weg. Es waren ein paar Grad über plus. Im Rucksack hatten wir noch als eiserne Reserve den Lamapullover und die Lamamütze, die wir für Matthias Bruder in Pisaq gekauft hatten.

Wir waren die ersten, die mit dem Kleinbus abgeholt wurden. Der Fahrer fuhr noch mehrere Hotels an, wo wir weitere Touristen einsammelten. Es ging zum Hafen, eigentlich nicht weit vom Zentrum entfernt. Dort angelangt wimmelte es vor Leuten. Fliegende Händler verkauften Regen-Ponchos. Wir kauften uns jeder einen gelben Regenumhang aus dünner Plastikfolie und zogen sie über. Das Wasser fiel wie aus Kübeln vom Himmel. Wir hatten kurzzeitig unsere Gruppe verloren und irrten eine Weile umher. In der Hafenanlage lagen sehr viele Fahrgastschiffe. Sie sahen nicht besonders einladend aus. Überall waren Roststellen zu sehen. Wir warteten eine ganze Weile auf dem Steg bei unserer Gruppe. Die Berge hinter uns waren weiß gezuckert vom Schnee, der in der Nacht gefallen war. Der Wind pfiff ordentlich, so dass unsere Ponchos ordentlich flatterten und uns ins Gesicht schlugen.

Schließlich durften wir über zwei andere Boote in unseres klettern. 26 Touristen drängten sich nun in ein kleines Fahrgastschiff. Hinzu kamen der Steuermann und seine Frau sowie unser Guide Andrés. Es gab aber leider nur 20 Sitzplätze im Innenraum des Schiffes. Es wurde improvisiert. In die Mitte kamen Schaumstoffauflagen, auf die sich die Stehenden setzen konnten. Die Gruppe war bunt durcheinander gewürfelt. Es waren Niederländer, Italiener, Franzosen, Australier, Japaner und Spanier mit uns Deutschen an Board. Nachdem wir uns alle vorgestellt hatten, gab uns unser Guide den Namen „Mama Pacha Group“. Mama Pacha ist die Mutter Erde eine der heiligsten Götter der Inka. Wir hofften natürlich alle, dass sich das Wetter bessern würde und wir wieder heil auf der Mutter Erde landen würden. Wenigstens sollte es endlich aufhören zu regnen. Der Tagesausflug war so geplant, das wir zuerst zu den Schilfinseln der Uros und danach zur Insel Taquile fahren. Dort sollten wir die einmalige Gelegenheit haben, mit den Ureinwohnern der Insel in Kontakt zu treten und zum Sonnentor hinaufzusteigen, von wo wir eine herrliche Sicht über den blauen Titicacasee und die weißen Gipfel genießen könnten. Nachdem uns Andrés eine Einführung gegeben hatte, legten wir ab und fuhren aus der Bucht durch riesige Schilfflächen in Richtung offenes Wasser. Mit uns starteten weitere 4-5 Schiffe. Alle vollgestopft mit Touristen. „Sind wir wenigstens nicht alleine, wenn einem Schiff etwas passiert“, dachte ich. Schnell hatten alle Touristen mitbekommen, dass für uns 26 nur 21 Schwimmwesten zur Verfügung standen. Es wurden halblaut Witze darüber gemacht, aber zum Lachen und Fröhlichsein war keinem wirklich zu Mute. Vielmehr beobachteten wir die Fahrt des Schiffes aus den beschlagenen Fensterchen. Es sah tatsächlich so aus, als ob er Himmel etwas aufreißen würde.

Unterdessen erzählte uns Andrés etwas zum Titicacasee: Der mit 3.810m höchste schiffbare See ist insgesamt 8.562 qkm groß. In der Ausdehnung misst der Titicacasee eine Länge von 195km und in eine Breite 65km. Dadurch, dass der See mit 305m sehr tief ist, wird er auch nie richtig warm. Die durchschnittliche Temperatur liegt gerade mal bei 10-11 Grad Celsius. Dafür speichert der See im Winter die Wärme und gibt diese an die Umwelt ab. Dadurch ist es möglich Mais, Kartoffeln, Gerste und Erbsen sowie Quinoca trotz der Höhe von knapp 4.000m anzubauen. Und genau das, sollte in diesem Jahr anders sein. Denn in den Bergen lag bereits Schnee und die bevor stehende Kartoffelernte war in Gefahr. Einen Schuldigen gab es natürlich auch. El Nino sorgte dafür dass an der Küste Perus noch weniger Niederschläge fielen, wie sonst. Diese Niederschläge gingen dafür in den Bergen runter und brachten diese kalte Luft mit sich.