Panamericana Richtung Süden

Die Nacht war sehr kurz. Immerhin hatten wir an diesem Morgen zwei Handtücher im Bad hängen. Leider aber war dafür unser Duschgel und die Haarwäsche weg, die wir am Vortag im Bad stehen gelassen hatten. So wuschen wir uns mit der abgepackten kleinen Seife aus dem Hotel. Die zweite Seife packte ich vorsorglich ein. Somit starteten wir mit unseren Klamotten die wir an hatten: Unterwäsche, 1 paar Socken, T-Shirt, Fleecepullover, Jeans und Regenjacke. Die Reiseapotheke, Waschzeug, allerdings ohne Handtuch, Duschgel und Haarwäsche und unsere Reiseunterlagen plus die Reiseführer. Alles zusammen ging gut in unsere zwei kleinen Rucksäcke. Wir gingen davon aus, dass es irgendwo Einkaufszentren außerhalb der Stadt geben würde, wo wir fehlendes nachkaufen könnten.
Somit verabschiedeten wir uns vom Hotelpersonal und begaben uns in den Berufsverkehr um einmal quer durch Lima zu fahren. Es ging erstaunlicher Weise ziemlich gut und dauerte nicht all zu lange ehe wir die Autobahn, die Panamericana Sur gefunden hatten. Was wir aber überhaupt nicht sahen, waren Supermärkte oder ein Einkaufszentrum. Wir trösteten uns, irgendwo werden wir schon etwas bekommen. Hauptsache wir kommen erst mal aus dieser furchtbaren Großstadt raus.

Der Zustand der Panamericana war recht gut, so dass wir Lima bald hinter uns gelassen hatten. Außerhalb der Stadt fuhren wir an den Slums vorbei. Es gab nichts grünes mehr. Hin und wieder waren ein paar Palmen angepflanzt, die aber keine optimalen Bedingungen zum wachsen hatten. Alles war braun und grau vom Sand und Geröll. Die Häuser waren nicht mit Farbe angestrichen. Lediglich die Reklame-Schilder stachen bunt ins Auge. Um so weiter wir fuhren, desto ärmlicher und karger wurde es. Mein Gemütszustand verschlechterte sich zusehends. Ich fragte mich, auf was wir uns da eingelassen hatten. Die Pazifikküste sah so trostlos aus, dass wir nicht einmal anhielten um Fotos zu machen. Orte, die auf der Karte wie Städte aussahen waren kleine Siedlungen in denen ein paar bruchfällige Häuser, ähnlich wie im Wilden Westen standen. Einen Supermarkt oder ein Shoppingcenter suchten wir vergebens. Die einzigste Einkaufsmöglichkeit stellten unzählige Verkaufsstände direkt an der Straße dar, wo die Lastwagen und alten Autos ihre Abgase hinterließen. Hier gab es Obst und Gemüse sowie Süßigkeiten und Getränke. So fuhren wir Kilometer um Kilometer schnurgerade die Panamericana, die Traumstraße Amerikas, gen Süden. Überholten alte Autos und LKWs. Als der Mautpflichtige Teil der Panamericana zu Ende war, verkleinerte sich die Straße, zu einer normalen Landstraße, dessen Zustand etwas nachließ. Den Dunst von Lima ließen wir hinter uns, der Himmel klärte zusehends auf . Ab und zu kam sogar ein wenig die Sonne raus. An der Gegend jedoch änderte sich nichts. Die Wüste durch die wir fuhren, gehört mit zu den trockensten Gebieten der Erde, somit immerhin ein Highlight. Wir versuchten uns ein wenig aufzuheitern und die Anspannung los zu werden. Die Halbinsel Paracas war unser nächstes Ziel.