Stadtrundgang Cusco

Am nächsten Morgen war es schwer das warme Bett zu verlassen. Es war sehr kalt im Zimmer. Wir machten die Fenster auf, um die wärmende Sonne herein zu lassen. Gefrühstückt wurde im Aufenthaltsraum. Hier gab es zur Abwechslung auch Müsli und Joghurt sowie Käse. Die Maisbrötchen blieben uns jedoch auch hier nicht erspart.
Wir hatten uns vorgenommen gleich zum Bahnhof zu gehen, um uns Tickets für Machu Picchu zu besorgen. Auf dem Weg dahin sahen wir, wie Cusco zum Leben erwachte. Die meisten Geschäfte hatten noch zu. Die Kinder gingen in niedlichen Uniformen zur Schule. Auf unserem Abstieg durch die Gassen der Altstadt auf den Plaza de Armas zu kamen wir stets an der Inka-Mauer mit dem 12-eckigen Stein vorbei. Zu jeder Zeit stand dort ein Mann in Inka-Uniform und bewachte diesen Stein. Heute Morgen war es der selbe, wie gestern Abend, armer Kerl.

Was in jeder Großstadt und auch in Cusco sehr unangenehm war, ist der Geruch von Fäkalien. Generell ist es so, dass die Abwasseranlagen in Peru nicht besonders gut oder teilweise gar nicht vorhanden sind. Deshalb soll man auch nie das benutzte Toilettenpapier in die Toilette werfen, sondern in den nebenstehenden Eimer. Ich konnte mir vorstellen, dass die Touristen dies nicht immer beherzigen. Es war auch für mich am Anfang nicht leicht, dies so zu tun. Aber das war bestimmt der Grund, warum an einigen Ecken das Abwasser hochdrückte und es demzufolge sehr unangenehm roch. Auch beobachteten wir, das es keine öffentlichen Toiletten gab. So existierten Stellen, wo alle Einheimischen plus die vielen Hunde hinpinkelten.
Wir liefen immer gerade aus zum Bahnhof. Am Bahnhof angelangt, waren die großen Tore verschlossen. Da wir die Hinweisschilder nicht verstanden, blieben wir eine Weile stehen, um das Geschehen zu beobachten. Immer wieder wurden Leute in den Bahnhof gelassen. Wir versuchten ebenfalls in den Bahnhof zu gelangen. Ein Angestellter der Bahn wies uns zurück. Wir erklärten ihm notdürftig, dass wir Tickets für Machu Picchu kaufen möchten, aber er verstand uns nicht. Ein anderer Mann, der uns beobachtete versuchte uns zu erklären, dass es die Tickets an einem anderen Bahnhof gebe. Wir zeigten ihm unseren Stadtplan und er zeigte uns den richtigen Bahnhof am anderen Ende der Stadt. Wir bedankten uns und machten uns auf den Weg vom „Estación Ferrocarril San Pedro“, wo die Züge nach Machu Picchu abfahren zum „Estation del Sur Wanchaq“ wo die Züge nach Juliaca und Puno abfahren. Auf dem Weg lag der Mercado Cenrtral Sta. Ana, einer der größten überdachten Märkte Cuscos. Überaus geschäftig versuchten die Händler ihre Ware zu verkaufen. Es gab richtige Abteilungen: Fleisch, Gemüse, Eier, Reis usw.. In jedem großen Markt gab es eine Art Gemeinschaftsküche. Hier standen unzählige Frauen an kochenden Töpfen und bereiteten Malzeiten vor. Hier konnten die Einheimischen sich etwas zu essen kaufen, ähnlich wie bei uns an einer Imbiss-Bude, nur dass das Essen hier garantiert gesünder war. Die Sonne erwärmte uns durch die Stadt Laufende ziemlich schnell, so dass wir den zweiten Fleecepullover schnell auszogen. Der andere Bahnhof lag am anderen Ende der Avenue El Sol in einer eher unspektakulären Gegend. Wir erreichten den Bahnhof bereits mit trockener Kehle.

Wir passierten ein paar Kontrollpunkte ohne Probleme und wurden zu einem kleinen Office geleitet. Hier hieß es Nummern ziehen, ähnlich wie bei uns auf dem Amt. Nur das hier die Anzeige nicht funktionierte. Es gab insgesamt 3 Schalter an denen die Tickets verkauft wurden. Aber es waren nur wenige Touristen unter den Einheimischen und wir kamen uns etwas unbeholfen vor. Schnell bekam ich mit, dass ein Polizist oder Wachschutz die Nummernvergabe überwachte und die nächste Nummer aufrief so wie ein Schalter frei wurde. Wir warteten eine gute halbe Stunde ehe wir an der Reihe waren und erklärten mit Händen und Füßen, dass wir nach Machu Picchu wollten. Sie gab uns einen Beleg mit dem wir bei einer Kasse erst einmal unsere Tickets bezahlen sollten. Da dort auch wieder eine Schlange stand, dauerte es nochmals eine Weile. Als wir zurück kamen, erhielten wir unsere Tickets für den kommenden Tag. Ach waren wir stolz.
Wir liefen wieder zurück ins Zentrum, dabei kreuzten wir einige Kunst- und Souvenirhallen. Da hier noch nichts los war, ließen wir uns Zeit und schauten ausgiebig. Von den Verkäufern wurden wir stets höflich und nett angesprochen, so dass wir auch mal nachfragten und ein bisschen kommunizieren konnten. Niemand war aufdringlich oder gar nervig.
Ich hätte mich gerne in ein Cafe gesetzt und etwas getrunken, aber Matthias zog mich weiter. Wir mussten eine Niederlassung von Aerocontinente finden. Eine inländische Fluglinie bei der wir unsere Inlandsflüge gebucht hatten. Außerdem wollte Matthias noch zu Lufthansa wegen unseres Gepäcks. Wir verbrachten lange damit, von einem Büro zum nächsten zu gehen. Schließlich fanden wir eine Niederlassung von Aerocontinente und mussten feststellen, das unsere Flüge umgebucht wurden. Die Abflugzeiten verschoben sich, von unserem Gepäck gab es allerdings keine Spur. Als wir das geschafft hatten, holte ich mir erst einmal eine kalte Cola und wir setzten uns auf den Plaza de Armas um unsere Füße auszuruhen.

Als nächstes besichtigten wir die Kathedrale „La Catedral“. Soviel Gold, Silber und Bronze hatten wir noch in keiner anderen Kirche gesehen. Wir schlossen uns einer deutschsprachigen Führung an und staunten über die riesigen Gemälde und die herausragende Architektur.
Wir hatten viel Zeit dort verbracht und suchten als nächstes das Inka-Museum auf. Wir besichtigten noch einige andere Sehenswürdigkeiten und liefen hoch zur San Christóbal. Einer Kirche die hoch oben über der Stadt stand. Von dort hatten wir einen wunderschönen Blick über Cusco. Ich setzte mich auf ein Stück Mauer um meine schmerzenden Füße zu entlasten. Kinder, die aus der Schule kamen, ließen Drachen aus Plastiktüten steigen und machten einen aufgeweckten Lärm. Hier in Cusco spürten wir das Südamerikanische Leben mit all seinen Facetten besonders intensiv.
Es war Zeit unser Auto von AVIS abzuholen. Nun mussten wir wieder von einem Ende der Stadt zur Avenue El Sol. Aber es lief gut, unser Auto war ganz und wir fuhren damit durch die engen Gassen zur Pension. In der Pension trafen wir auf einen Schwaben, der ganz allein durch Peru reiste. Er war wohl sehr froh, endlich Deutsche zu treffen und verwickelte uns in lange Gespräche. So kamen wir erst zum Abend wieder aus der Pension um etwas Essen zu gehen. Den Abend ließen wir ruhig ausklingen, da wir am nächsten Morgen zeitig gegen 5 Uhr aufstehen mussten um nach Machu Picchu zu fahren.