von Cusco über die alte Inkastrasse

Am nächsten Morgen verließen wir Cusco. Wir tankten unser Auto nochmals ordentlich voll und freuten uns auf die alte Inkastrasse, die uns auf knapp 400 km durch eines der berühmtesten Täler, atemberaubende Pässe und Hochebenen zum blauen Titicacasee führen sollte. Kurz hinter Cusco holte uns die armselige Realität wieder ein. Wir fuhren vorbei an Slums und sehr ärmlichen Dörfern. Das Tal wurde hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Da die Felder ziemlich abgeerntet waren, sah es insgesamt noch trostloser aus. Bäume gab es kaum unterwegs. Wir hielten uns an den Reiseführer und studierten die historischen Sehenswürdigkeiten.

Zwischendurch bewunderten wir zwei Europäer oder Nordamerikaner, die mit Ihren vollbepackten Rädern die alte Inkastraße entlang fuhren. Wir machten einen größeren Halt bei den Ruinen von Raqchi nach 118 km. Die Ruinen waren bereits von weitem zu sehen. Wir fuhren über Schotterpisten zu einem kleinen Platz mit einer niedlichen kleinen alten Kirche. Der Ort war die Ruhe selbst. Im Schatten saßen ältere Leute und dösten. Es gab einen kleinen Laden und den Eingang zu den Ruinen. Wir bezahlten für den Eintritt und betraten eine Anlage die bisher noch wenig erforscht wurde. Fest steht, dass diese Ruinen aus der Präinkazeit stammen. Wir befanden uns auf ca. 3.500 m zu Füßen des Quimsachata-Vulkans. Vor uns standen riesige Säulen eines alten Tempels. Arbeiter waren dabei die Anlage zu rekonstruieren. Für mich hatten die Säulen etwas von einem Grundgerüst einer großen Kirche. Unheimlich groß und hoch musste dieser Tempel gewesen sein. In dieser weiten Ebene, muss er herausgestochen haben, wie heute die zum Tropical Island umgebaute Cargo Lifter Halle im brandenburgischen Brand. Ein gigantisches Bauwerk.
Wir liefen lange umher und studierten die einzelnen Ausgrabungen und Überreste. Es ist unglaublich, wie viele Zeugnisse aus einer anderen Welt hier in den Anden noch nicht erforscht sind. Für diese Anlage schien sich auch niemand zu interessieren. Wir waren die einzigsten Touristen an diesem einsamen Ort. Die Einheimischen freuten sich und lächelten uns stumm an. Die Arbeiter machten Mittag und auch wir liefen langsam zurück. Zu den Alten sind weitere Einheimische gekommen, sie saßen zusammen und aßen ihr Mittag, welches gemeinschaftlich zubereitet wurde. Ich holte in dem kleinen Laden, zwei total eingestaubte Colas und etwas Gebäck. Die Sonne verschwand hinter immer dichteren Wolken. Wir fuhren weiter auf der alten Inkastrasse, die inzwischen asphaltiert ist. Neben der Straße führte die Zugstrecke Cusco – Puno entlang.

Wir fuhren immer höher in immer entlegenere Täler. Die Wolken zogen sich immer weiter zu. Weite Grasssteppen prägten das Bild. Verlassen und einsam schlängelte sich die Straße durch die Hochebene. Von den weißen Fünftausendern war leider nichts zu sehen. Auf dem Pass auf 4.313 m fing es an zu schneien. Ein kleines Schild und ein Parkplatz deuteten auf die bedeutende Stelle hin. Wie wir näher kamen, sahen wir Einheimische die in der Kälte mit ihren Souvenirs standen und auf die Touristen warteten. Zwei alte Frauen standen in ihren traditionellen Kleidern eingemummelt zum Fotografieren bereit. Jede der Frauen hatte ein Lama an der Seite für das typische Touristenfoto. Mir taten die Leute verdammt leid. Ihre Waren hatten sie schützend unter Plastikfolie. Es war sehr kalt. Ich stieg kurz aus, aber die beiden Pullover die ich anhatte reichten nicht aus. Ich fror entsetzlich. So zog ich es vor wieder im Auto zu warten und beobachtete das Treiben. Ein Bus mit Touristen hielt neben uns. Einige sprangen raus, schossen ein paar Fotos und stiegen wieder in den warmen Bus. Das erschütternde war, das sie den Frauen kein Geld für die Fotos gegeben hatten. Und schon fuhr der Bus wieder weg.
Auch wir fuhren bald weiter, da die erhoffte Aussicht durch das trübe Wetter nicht zu sehen war. Vielleicht würde das Wetter hinter dem Pass und den nächsten Bergen besser werden.