Von Nasca nach Abancay

Es war noch nicht einmal richtig hell, da wurden wir von einem unglaublich lauten Wettkampf im Krähen von den Hähnen Nascas geweckt. Somit standen wir auch sehr früh auf und warteten auf das Frühstück. Nachdem wir die zwei obligatorischen Maisbrötchen mit ein wenig Marmelade und dem gepanschten Café genossen hatten, machten wir uns auf in die Berge. 660 km und drei eingeplante Tage trennten uns von der Inka-Metropole Cusco. Aber vorerst mussten wir für einen vollen Tank sorgen. Wir hatten von AVIS einen Benziner bekommen. Nun war es aber gar nicht so einfach Benzin und vor allem Super Plus zu bekommen. Hier in Nasca gab es jedenfalls nur normales Benzin. Wir kauften einen Kanister, weil wir nicht wussten, ob wir vor Cusco noch mal Benzin bekamen und tankten alles voll mit normal Benzin. Unser Proviant bestand aus ein paar Schokoriegel, Brötchen und den salzigen Keksen sowie Bananen, Äpfel und Apfelsinen. Außerdem hatten wir uns zur Abwechslung einen 2,5 Liter Kanister mit Orangensaft geholt.

Wir waren bereit und suchten uns einen Weg durch die Stadt in die Berge. Durch die Weite, die unser Auge nicht gewöhnt war, sahen die Steigungen gar nicht so dramatisch aus, aber unser Auto hatte teilweise ganz schön zu kämpfen. Lange fuhren wir durch eine Steinwüste. Überall lag Schutt und Geröll. Bald kamen Kakteen hinzu, wenigstens etwas Leben. So fuhren wir eine ganze Weile immer höher und höher. Wir Überholten einzelne LKWs, die auf den Steigungen ziemlich zu kämpfen hatten. Die Straße war nicht schlecht, an manchen Stellen etwas eng und uneinsichtig. Leitplanken oder andere Sicherheitsmaßnahmen, die wir aus Europa kennen, gab es hier natürlich nicht. Wir fuhren weiter, Kurve um Kurve bezwangen wir die Höhenmeter. Busse benötigen eine Fahrtzeit von 40 Stunden bis nach Cusco. Irgendwann erreichten wir unseren ersten Pass und konnten in das nächste Tal blicken. Voller Vorfreude genossen wir den Ausblick auf unsere ersten Terrassenfelder die Grün aus der Einöde ins Auge stachen. Wir konnten erste Bewässerungsanlagen sehen und die Einheimischen bei der Feldarbeit beobachten. Weiter ging es bis zur Pampa Galeras, 83 km von Nasca entfernt. Dieses riesige Hochplateau lag bereits auf 3.800 m Höhe. Hier gab es einen Nationalpark für Vicunas und eine von Deutschen gegründete Forschungsstation für diese seltenen Tiere. Diese sehr kleine Lama-Art war bereits vom Aussterben bedroht. Die Vicunas, die einst heilige Tiere für die Inka darstellten, besitzen die wertvollste Wolle auf der Welt. Dies wächst nur auf der Brust und wird einmal im Jahr geschoren.

Die Pampa Galeras ist eine endlose Graslandschaft. Im Anschluss ging die Fahrt weiter zu unserem nächsten Pass Abra Condorcenca mit 4.300 m Höhe. Einmalige Landschaften mit immer wieder neuen Bergformationen offenbarten sich uns. Egal in welcher Höhe, überall gab es kleine Höfe mit zwei bis drei Hütten. Es war sehr kalt. Der Wind pfiff über die Pampa und brachte das Gras zu wellenförmigen Bewegungen. Wie auch in Afrika waren wir fasziniert davon, wie die Menschen in einer solchen Einöde leben konnten. Die Hütten bestanden aus zusammengesammelten Steinen und Grasdächern. Bäume oder Sträucher suchte man hier oben vergebens. Wovon lebten diese Menschen. Uns fielen dazu nur Kartoffeln und Lamas ein. Arbeit gab es hier oben keine. Was sollten die Menschen in einer solchen Höhe anbauen? Später erfuhren wir, dass es in Peru eine große Anzahl an Getreidesorten gibt, die teilweise auch in den höheren Gegenden wachsen. Es war bereits nach Mittag als wir vom Pass aus ins nächste Tal und somit nach Puquio kamen. Eigentlich wollten wir hier eine weitere Nacht verbringen. Die Asphaltstasse hörte vor dem Ortseingang auf und wechselte zu einer total ausgefahrenen Sandpiste. Direkt durch den Ort schlängelten sich die Transit LKWs und Busse. Der Staub war allgegenwärtig. Ein Hotel oder eine Pension, so wie wir es kannten, gab es nicht. Das Leben spielte sich auf der Straße ab. Insgesamt machte dieser Ort einen sehr ärmlichen Eindruck. Wir hielten am Plaza de Armas. Im Reiseführer stand, dass es hier eine Tankstelle geben sollte. Hier gab es aber lediglich eine einfache Abfüllstation für Diesel. Matthias und ich waren uns einig: Hier konnten wir nicht übernachten. Unsere entschieden nicht aufgrund der Ärmlichkeit oder der Primitivität, die sich uns offenbarte. Wir hatten einfach Angst um unser Auto. Hier gab es nirgendwo die Möglichkeit ein Auto wegzuschließen. Am Ende hätten wir gar keine Reifen mehr gehabt. Vor uns langen noch ca. 300 km Richtung Abancay der nächst größeren Stadt. Für die Zeit die wir noch zur Verfügung hatten, viel zu weit.

Es gab zwei Hostales, die wie Salons aus alten Wilden-West-Streifen aussahen. In diesem Ort gab es garantiert keine Kanalisation oder fließendes Wasser. Da wir der Sprache nicht mächtig waren, hielten wir es für sicherer irgendwo in den Bergen zu übernachten. Der Schock saß noch immer tief, als wir aus Puquio fuhren. War das die richtige Entscheidung? Konnten wir in den Bergen wirklich übernachten? Wie kalt würde es nachts werden? Bereits jetzt waren es um die 0 Grad und sehr windig. Wir fuhren so schnell es ging weiter. Die Schönheit der Landschaften lenkte uns ein wenig ab. Wir sahen viele Bergseen auf über 4.000 m Höhe in denen Flamingos standen. Die folgenden Orte bestanden aus drei bis fünf Häusern. Viele Kinder spielten auf der Straße und winkten, wenn sie uns sahen. Ab und zu gab es auch eine Hütte, wo „Restaurant“ dran stand. Wenn uns Einheimische begegneten so winkten sie uns immer zu und freuten sich Touristen zu sehen. Wir winkten immer zurück und waren begeistert über soviel Freundlichkeit. Leider konnten wir uns mit ihnen nicht unterhalten, auch etwas abgeben hätten wir nicht können, weil wir selber nichts dabei hatten. Wir erreichten die Stelle, ab der in unsere Straßenkarte eine Schotterpiste eingezeichnet war. Glücklich folgten wir der neuen Asphaltstrecke und hofften, dass sie uns noch weit begleiten würde. Bis auf ein paar hundert Meter war die Strecke durchgängig asphaltiert und wir konnten mit 70 – 80 km/h durchfahren. Somit erreichten wir spät am Abend doch noch Abancay und fanden ein Hotel, mit einem abschließbaren Parkplatz. Matthias war so fertig von der Tour, dass er gleich ins Bett sank und einschlief. So gab es wieder nur etwas aus unserem spärlichen Proviant zu beißen, was aber auch satt machte.