Zugfahrt nach Machu Picchu

Geschlafen hatte ich kaum vor Aufregung. Ich hatte viel zu viel Angst, diesen wichtigen Ausflug zu verschlafen. Somit standen wir ganz pünktlich auf und gingen in die Küche um unser Frühstückspaket in Empfang zu nehmen und auf das Taxi zu warten. Wie immer in Peru kam der Taxifahrer zu spät. Gut das wir Pufferzeit eingeplant hatten. Wir fuhren durch das dunkle Cusco zum Bahnhof „Estación Ferrocarril San Pedro“. Die großen Tore waren nun geöffnet. Von überall strömten hektisch die Touristen her. Der gesamte Bahnhofsvorplatz war voll mit Taxis und fliegenden Händlern, die Süßigkeiten und Popcorn anboten. Wir kämpften uns durch die Massen. Aber weit kamen wir nicht. Eine Absperrung und Wachschutzposten verhinderten, dass wir zu den Zügen kamen. Dadurch das insgesamt 3 verschiedene Züge nach Machu Picchu kurz nacheinander fahren, wurden immer nur diejenigen Reisenden reingelassen, die mit dem ersten Zug fuhren. Wir fuhren mit dem letzten Zug, dem billigsten der drei Züge und mussten demzufolge noch eine ganze Weile warten. Es war sehr kalt. Touristen aus allen Herren Länder drängelten und schupsten, um die ersten zu sein. Dabei hatte das alles gar kein Zweck.

Irgendwann durften auch wir auf den Bahnsteig. Auf den Tickets stand, dass wir im Wagen F unsere Plätze hatten. Es war der letzte Wagon. Vor jedem Wagon stand ein Aufsteller mit dem jeweiligen Buchstaben und ein Zugbegleiter. Diesem zeigten wir unsere Fahrkarten und er suchte daraufhin unsere Namen auf einer Liste. Soviel Kontrolle verblüffte mich. Er hackte unsere beiden Namen ab und wir durften einsteigen. Die Sitze waren mit dunkelblauen Stoff bezogen und mit bunten Streifen bestickt. Uns gegenüber saß ein Vater mit seiner Tochter. Es dauerte nicht lange, ehe wir mitbekamen, dass die Mutter mit dem Sohn eine Sitzreihe weiter vorne sitzen musste. Wir boten ihnen unsere Plätze zum Tausch an. Die Kinder waren hell auf begeistert, dass jetzt alle zusammensitzen konnten.

Als es dann endlich los ging wurde es bereits hell und vor uns lagen knapp 4 Stunden Zugfahrt. Im Zickzack ging es aus der Stadt heraus. Um den Berg hochfahren zu können musste die Bahn einmal vorwärts und dann wieder rückwärts den Hang entlang fahren. Bei jedem Zickzack-Wechsel musste der Schaffner vom Zug abspringen und die Weiche umlegen. Da wir im letzten Wagon saßen hatten wir hinten bzw. vorne raus oft eine gute Sicht. Insgesamt war die Fahrt sehr interessant, da wir durch die ärmeren Siedlungen an der Stadtgrenze fuhren. Es waren unheimlich ärmliche Gegenden mit viel Müll und Dreck. Die Einheimischen nutzten die Schienen als Weg und der Zugbegleiter musste stets laut Pfeifen. Wir konnten direkt in die Höfe und Häuser sehen und bekamen das Leben hautnah mit. Als wir über den Berg waren, fuhren wir durch ein langgestrecktes Plateau, die Hochebene Anta-Tales, welches für die Landwirtschaft genutzt wurde. So fuhren wir hauptsächlich durch Kartoffel- und Maisfelder. In der Ferne sahen wir die schneebedeckten Sechstausender thronen.
An jeder Haltestelle stiegen einzelne Wandergruppen aus, je nach dem, ob sie eine vier, drei oder zweitägige Wanderung zu Machu Picchu gebucht hatten. Überall boten Einheimische ihre Souvenirs an. Wir fuhren die gesamte Zeit bergab. Es wurde immer wärmer und die Vegetation nahm zu. Bis wir schließlich entlang des Rio Urubamba fuhren. Der Zug war gut gefedert und fuhr zwischen 60 – 80 km/h. Wir schunkelten so gemütlich durch die Gegend und die Vorfreude auf Machu Picchu wuchs stetig. Das Tal wurde immer uriger. Bald glich die Vegetation der eines Urwaldes, das heilige Tal war erreicht. Die Luft ist merklich feuchter und wärmer. Farne, Lilien, Orchideen, Lianen und Schlinggewächse bedecken die steil abfallenden Berghänge. Alle Fahrgäste stehen aufgeregt an den Fenstern und erwarten die Ankunft in Aquas Calientes. Alles schnattert begeistert durcheinander. Wir waren die einzigsten Deutschen in diesem Wagon, die übrigen Urlauber waren Europäer aus Italien, Spanien, England und den Niederlanden.
Die Einfahrt nach Aquas Calientes war atemberaubend. Wie an einer Hauptstraße standen Souvenirläden und Restaurants an den Gleisen. Es gab kein Bahnsteig an sich. Wir mussten aus dem Zug auf das Gleisbett springen und an den Schienen entlang zu den Bussen laufen. Erst jetzt erzählte mir Matthias, das wir noch mit einem Bus bis zu Machu Picchu fahren müssten. „Nicht lange!“ versprach er. Da ich Reisekrank bin und keine Busfahrt vertrage, stieg in mir bereits die Angst. Ich stellte mich in die Schlange um die Bustickets zu kaufen, währenddessen Matthias übereifrig Fotos schoss. Alle Touristen wollten natürlich so schnell wie möglich nach Machu Picchu, somit war das Gedrängel groß. Wir rutschten mit in den nächsten Bus. Zum schlecht werden war gar keine Zeit. Matthias schob mir noch schnell ein Bonbon in den Mund und auf ging es. Kurve um Kurve ging es auf einer scheinbar nicht enden wollenden Sandpiste den Berg hinauf. Durch hupen verständigten sich die Busfahrer der Shuttles, wer als erster um die 180 Grad Kehren rasen durfte. Das ganze war so Aufregend, dass ich die Busfahrt gut überstand. Die Aussicht aus dem Bus war aber auch so atemberaubend, dass einem nichts anderes in den Sinn kam. Unter uns lag nun das wunderschöne grüne Urubamba Tal mit der Haltestelle und dem Ort Aguas Calientes. Um uns herum wuchsen riesige grün bewachsene, aber steile Berge in den Himmel. Wir fuhren höher und höher. Der Fluss im Tal wurde immer kleiner. Wir hielten. Die Touristen strömten aus dem Bus und auf direktem Weg zur Kasse.